Die politischen Grundlagen der KJO-Spartacus (1970/71)

Die kommunistische Jugendorganisation

Nicht nur in Deutschland besteht deshalb die strategische Haupt­aufgabe der kommenden Jahre im Aufbau der kommunistischen Partei. Aber in Deutschland ist aufgrund des Bankrotts des Sta­linismus und des Sieges des Faschismus die Tradition des Klas­senkampfes fast vollständig abgerissen. Die Liquidierung der Arbeiterkader und die Zerschlagung aller Arbeiterorganisationen unter dem Faschismus haben den Boden bereitet, auf dem die Nachkriegserfahrungen mit der SPD und mit dem „Aufbau des Sozialismus“ in der DDR ihre demoralisierende Wirkung entfal­ten konnten.
Für die Perspektive des Aufbaus der neuen Klassenführung ist es von entscheidender Bedeutung, daß die Wiederbelegung der Arbeiterbewegung in Westdeutschland zunächst durch die pro­letarische Jugend getragen wird.
Der Kampf der Arbeiterjugend kann nur in der Perspektive der sozialistischen Revolution zielstrebig vorangetrieben werden. Und aus dieser Perspektive leiten sich die Aufgaben der Kommu­nisten ab. Die kommunistische Führung des Kampfes der Arbei­terjugend ist also letztlich nur durch die kommunistische Partei möglich.
Die kommunistische Organisation, die sich im Kampf der pro­letarischen Jugend herausbildet, kann aber nur eine kommuni­stische Jugendorganisation sein. Sie muß ihre Aufgaben im Hin­blick auf den Aufbau der Partei bestimmen und erfüllen, aber sie stellt selbst noch nicht diese Partei dar. Die kommunistische Partei, als die organisierte Vorhut der kämpfenden Arbeiterklas­se, kann sich nur in Kämpfen herausbilden, die von der Bewegung des gesamten Proletariats getragen werden.
Die kommunistische Jugendorganisation muß den Aufbau der neuen Klassenführung praktisch in Angriff nehmen. Sie tut dies zunächst, indem sie sich selbst zur Führung der kämpfenden Ar­beiterjugend entwickelt.
Damit sind ihr Aufgaben gestellt, die über die traditionellen Auf­gaben kommunistischer Jugendverbände hinausgehen. Diese wa­ren, da sie den Einfluß der bereits existierenden Partei in der Jugend erobern und erhalten sollten, als Massenorganisationen konzipiert.
Dagegen muß die kommunistische Jugendorganisation heute Auf­gaben der Partei bereits übernehmen, sie muß zur tatsächlichen Kampfführung der Arbeiterjugend werden.
Aus dieser Avantgardefunktion im Klassenkampf leitet sich die organisatorische Gestalt der kommunistischen Jugendorganisa­tion ab: Wie die Partei muß sich ihr inneres Leben nach den Prin­zipien des demokratischen Zentralismus gestalten: unbedingte Freiheit der Diskussion und Kritik – auch nach außen hin –, unbedingte Einheit in der Aktion entsprechend der mehrheitlich gefaßten Entscheidung. Und wie die Partei ist die kommunistische Jugendorganisation eine Kaderorganisation: Sie kann nur solche Mitglieder in ihre Reihen aufnehmen, die vollständig an der Tätigkeit der Organisation teilnehmen, für die der Sozialis­mus nicht eine Frage der bloßen Gesinnung ist, sondern Ver­pflichtung zum aktiven Einsatz entsprechend der eigenen Fähig­keiten.
In dem Maße, wie die Bewegung der Arbeiterjugend verschmilzt mit dem Kampf anderer Teile der Klasse und aufgeht in der um­fassenderen Bewegung des Proletariats, wird die kommunisti­sche Jugendorganisation vor Aufgaben gestellt werden, die sie nur erfüllen kann, wenn sie ihren eigenen Rahmen sprengt und, soweit es an ihr liegt, an die unmittelbare Konstituierung der kommunistischen Partei herangeht.
Indem die kommunistische Jugendorganisation schon heute den Aufbau der Partei in der aufgezeigten Perspektive praktisch in Angriff nimmt, kann sie den Status einer bloßen Propaganda­gruppe überwinden. Durch ihre praktische Intervention in den Kampf der Arbeiterjugend vermag sie das Programm der proleta­rischen Weltrevolution zu einem konkreten Kampfprogramm zu entfalten. Allerdings zunächst nur in seiner spezifischen Bedeutung für den revolutionären Kampf der westdeutschen Ar­beiterjugend. Die kommunistische Jugend kommt über den bloßen Propagandismus also nur hinaus, indem sie sich auf eine spezifische Ausarbeitung des revolutionären Programms konzentriert, wie es ihrer Aufgabenstellung und dem tatsächli­chen Stand des Klassenkampfes entspricht.
Die kommunistische Jugend darf hierüber nicht in einen Syndi­kalismus der Arbeiterjugend verfallen, das Programm der inter­nationalen Revolution darf nicht verengt werden zum nationa­len Programm der westdeutschen Arbeiterjugend. Wenn die un­mittelbar praktische Entfaltung des kommunistischen Programms in Westdeutschland heute erst in der besonderen Hinsicht auf den Kampf der Arbeiterjugend möglich ist, so muß doch die Wiederaneignung und Entfaltung dieses Programms ebenfalls von der Seite seiner umfassenden, aber noch abstrakten Gestalt in Angriff genommen werden.
Diese Einsicht bedarf jedoch einer organisatorischen Wendung. Die kommunistische Jugendorganisation, die als solche dieser Aufgabe selbst nur in der besonderen Hinsicht auf die Arbeiter­jugendbewegung gerecht werden kann, muß eng mit einer Organisation zusammenarbeiten, deren Hauptaufgabe in der programmatischen Rückbesinnung auf den revolutionären Marxismus liegt. Diese muß über die Rekonstruktion der Grundelemente des Programms der Weltrevolution im Bündnis mit ähnlich orien­tierten internationalen Organisationen die internationalen Aufga­ben in Angriff nehmen, die sich aus der Notwendigkeit der Schaffung der Vierten Internationale ergeben und die mit der Praxis der kommunistischen Jugendorganisation nur in vermit­teltem Zusammenhang stehen.
Nur in der engen Zusammenarbeit mit einer solchen Organisa­tion kann die kommunistische Jugendorganisation ihren Beitrag zum Aufbau der neuen KPD voll leisten. Nur durch dieses Bünd­nis kann sie ihr Ziel erreichen, den Kampf der westdeutschen Arbeiterjugend in die neue Klassenbewegung des deutschen Pro­letariats und hierdurch in den Prozeß der sozialistischen Welt­revolution einzuordnen.
Der Aufbau der kommunistischen Jugendorganisation wird hier­durch zu einem strategischen Moment im Entstehungsprozeß der neuen revolutionären Klassenführung.

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